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 der Schlammpeitzger

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BeitragThema: der Schlammpeitzger   15/3/2009, 18:19



Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)
Hat acht Barteln rund ums Maul. Die Augen sind klein, der Fisch orientiert sich in erster Linie über sein Seitenlinienorgan. Beachte auch die weit auseinander stehenden Ein- und Ausströmöffnungen der Nase ideal fürs Stereo-Riechen. Der Schlammpeitzger gehört in die Ordnung der Karpfenartigen (Cypriniformes) und hier in die Familie der Schmerlenartigen (Cobitidae), was man schon beim ersten Blick in sein „Gesicht“ erkennt. Der Körper ist lang gestreckt, schlank und von einer sehr glitschigen Schleimhaut bedeckt. Rücken- und Bauchflossen liegen am Beginn des hinteren Körperdrittels; die Schwanzflosse ist stumpf abgerundet. Die Fische können 15 bis 30 cm lang werden.
Die Körperfärbung ist ein dunkles Braun. Während Jungfische ein sehr abwechslungsreiches Muster aus hellen Flecken und Ringen zeigen, sind Altfische mit helleren Längsstreifen gezeichnet. Das Vorkommen reicht in Europa von Frankreich bis nach Russland.
Schlammpeitzger leben am Grund schlammiger bis sandiger Gewässer. Tagsüber graben sie sich 20 bis 30 cm tief in das Sediment ein und kommen erst in der Dunkelheit heraus (nachtaktiv), um nach Würmern, Schnecken, Insektenlarven, kleinen Krebsen oder Schnecken zu wühlen. Sie sehen kaum etwas, deshalb erfühlen und schmecken sie ihre Nahrung mit den dicken Barteln, die reich mit Sinneszellen besetzt sind.

Wie schon erwähnt, können die Gewässer, die der Schlammpeitzger besiedelt, zu Extrem-Lebensräumen gehören: Sie sind meist durch organische Stoffe hoch belastet (auch in Gebieten ohne oder mit wenig Landwirtschaft), was im Sommer zu Sauerstoffmangel führt. Oder sie sind so klein, dass sie während längerer Trockenphasen austrocknen. Der Schlammpeitzger begegnet diesen Widrigkeiten mit seiner Fähigkeit, Luftsauerstoff zu atmen. Er schwimmt an die Wasseroberfläche und schluckt Luft. In seinem Darm entzieht er ihr dann den Sauerstoff. Das nennt man Darmatmung. Die Darmatmung setzt der Fisch auch ein, wenn das Gewässer austrocknet. Die Trockenzeit übersteht er, indem er sich bis zu 70 cm in den Schlamm eingräbt. So tief trocknen die kleinen Gräben nie aus.
Die Darmatmung hat ihm auch die volkstümliche Bezeichnung „Wetterfisch“ oder „Gewitterfisch“ eingebracht: Vor allem vor Sommergewittern ist die Luft oft sehr drückend und schwül. Die Kleingewässer sind extrem aufgeheizt und fast ohne Sauerstoff. Dann kommt der Fisch an die Oberfläche, um Luft zu schlucken.
Die Landbevölkerung war natürlich bei der Feldarbeit ganz besonders auf Anzeichen angewiesen, die ihnen ein nahendes (Un-)Wetter ankündigten. Dazu gehörte eben auch der Schlammpeitzger. Der Fisch sagte ihnen, wann es Zeit war, sich in Sicherheit zu bringen.

Schlammpeitzger laichen zwischen Mai und Juli – die Eier werden an Wasserpflanzen und Wurzeln abgelegt. Dabei werden diese Fische unvorsichtig. Mehrere Männchen bedrängen ein Weibchen, umschlängeln es und versuchen sich mit ihm zu paaren. Das ist eine Gelegenheit, die sich z. B. Hechte und Barsche nicht entgehen lassen. Für sie sind Schlammpeitzger in dieser Zeit eine sichere und leichte Beute.

Der „Wetterprophet“
Zahllose Gräben durchziehen die Landschaft der norddeutschen Tiefebene und der Niederlande. Sie dienen der Be- und Entwässerung von Ackerflächen, feuchten Wiesen, Sümpfen und Mooren. In ihrer Ausprägung sind sie höchst unterschiedlich: Manche sind so breit, dass sie mit Booten zu befahren sind, andere wieder so klein und schmal, dass sie im Sommer austrocknen. Vor allem die Gräben, die Moorgebiete entwässern, können ein sehr saures Wasser führen. Und genau diese kleinen, oft auch sehr sauerstoffarmes Wasser führenden Gräben (auch Sielzüge oder Wettern genannt) sind der Lebensraum eines äußerst merkwürdigen Fisches – des Europäischen Schlammpeitzgers!
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